Zahl der anonymen Bestattungen bleibt auf hohem Niveau – aber es gibt Alternativen PDF Drucken

War die Zahl der anonymen Bestattungen zunächst seit Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts kontinuierlich gestiegen, ist seit 2002 ein Stagnieren auf hohem Niveau, nämlich bei etwa 40 % aller Berliner Bestattungen festzustellen.

Hintergründe für den hohen Anteil an anonymen Bestattungen gibt es viele. Zum einen ist da das Problem mit der Pflege einer Grabstelle, dem Angehörige oder auch Vorsorgende aus dem Weg zu gehen versuchen. Zum anderen hält sich die falsche Information, eine Bestattung in der Urnengemeinschaftsanlage, also „unter den grünen Rasen“ sei die günstigste Stellenart. Das jedoch ist falsch. Die Friedhofsgebühren für die UGA liegen um einiges höher als die für eine reguläre Urnenreihenstelle. Grund dafür ist, dass der sogenannte Nutzungsberechtigte auch die Kosten für die Pflege der Stelle für die gesamte Nutzungsdauer tragen muss, also etwas flapsig ausgedrückt, für 20 Jahre Rasenmähen bezahlt.

Doch mittlerweile gibt es zahlreiche Alternativen zur ganz anonymen Bestattung. So bieten viele kirchliche Friedhöfe zum Beispiel, auch für Verstorbene die nicht Mitglied der Kirche waren, die Möglichkeit der Bestattung auf einer so genannten Gemeindestelle. Diese sind in der Regel recht große Grabstellen, die gärtnerisch gestaltet sind und deren Pflege vom Friedhof übernommen wird. Darüber hinaus sind an diesen Stellen meist Tafeln oder Grabsteine angebracht, die die Namen und Lebensdaten aller dort Bestatteten tragen. So sind die evangelischen Friedhöfe mittlerweile sogar von der Kirche angehalten, gar keine anonymen Stellen mehr anzubieten, da namenlose Gräber dem christlichen Gedanken entgegenstehen.

Ein Pendent hierzu ist auch auf den städtischen Friedhöfen zu finden, hier bietet die Friedhofstreuhand die Bestattung in sogenannten Ruhegemeinschaften an, die in ihrem Grundgedanken hinsichtlich der Gestaltung mit den Gemeindestellen vergleichbar sind, jedoch nicht durch den Friedhof sondern durch eine private Friedhofsgärtnerei gepflegt werden. Auf dem städtischen Friedhof Steglitz, in der Bergstraße, wurde kürzlich mit dem ersten Memoriam Garten sogar ein ganzes Gräberfeld diesem Ansatz folgend landschaftsgärtnerisch gestaltet. Hier können nun sowohl Urnen- als auch Erdbeisetzungen erfolgen. Im Gegensatz hierzu nicht landschaftsgärtnerisch gestaltet sondern gänzlich der Natur überlassen sind die sogenannten naturnahen Bestattungen, die von verschiedenen Friedhöfen und auch privatwirtschaftlichen Unternehmen angeboten werden. Einer der kulturell vermutlich bedeutsamsten Orte an dem dies möglich ist, ist der Südwestkirchhof in Stahnsdorf.

Eine weitere Möglichkeit die Pflege zu umgehen, sind die sogenannten Urnenwandfächer. Hierbei wird die Urne nicht im Boden sondern hinter einer mit Namen und Lebensdaten versehenen Platte in einer eigens hierfür errichteten Mauer oder Säule oder auch in der Außenwand eines alten Mausoleums bestattet. solche Stellen werden inzwischen von vielen kirchlichen und städtischen Friedhöfen angeboten.

Zu guter Letzt sein erwähnt, dass es auch für die Erdbestattung die Möglichkeit einer Beisetzung des Sarges unter dem Rasen, mit oder auch ohne namentlicher Kennzeichnung gibt.

Egal ob Urne oder Sarg, unter trauerpsychologischen Aspekten ist eine namentliche Kennzeichnung eines Grabes, ein wiederauffindbarer Ort des Gedenkens also, immer zu empfehlen. Nicht nur im Sinne der Nutzungsberechtigten, also der engsten Angehörigen, sondern auch im Sinne der Freunde und Bekannten, die keinen Einfluss auf die Stellenauswahl haben, aber sich unter Umständen dennoch einen Ort des Erinnerns wünschen.